„Als wär’s gestern gewesen“: Karin Thaler bricht das Schweigen – warum sie ihren verstorbenen Serien-Kollegen bis heute nicht loslassen kann
Seit 2002 ist die Schauspielerin bei den „Rosenheim-Cops“ dabei – viele Jahre an der Seite von Joseph Hannesschläger, der ihren Bruder spielte. Er starb 2020, doch Karin Thaler denkt immer noch bei jedem Hofdreh an ihn.

Frau Thaler, Sie sind als Stadträtin und Bauernhofbesitzerin Marie Hofer von Anfang an bei den „Rosenheim-Cops“ dabei. Was sind die Vorteile, wenn man eine Rolle so lange Zeit verkörpert?
Frau Thaler, Sie sind als Stadträtin und Bauernhofbesitzerin Marie Hofer von Anfang an bei den „Rosenheim-Cops“ dabei. Was sind die Vorteile, wenn man eine Rolle so lange Zeit verkörpert?
Karin Thaler: Es macht mich vor allem stolz, dass ich schon so lange in einer Erfolgsserie mitspiele und mich das Publikum immer noch sehen möchte. Aus finanzieller Sicht stellt dieses Langfrist-Engagement eine Sicherheit für mich dar, die mich beruhigt arbeiten lässt. Ich bin eingebettet in einem perfekt funktionierenden Team, in dem jeder den anderen mag und schätzt. Wir kennen uns alle bestens. Ich muss niemanden mehr etwas beweisen, kann aber ab und zu vielleicht noch überraschen.
Thaler: Auf jeden Fall, schließlich ist sie ein Teil von mir. Aber über politische Dinge würde ich mich mit ihr sicher nicht unterhalten, weil ich überhaupt kein politischer Mensch bin.
Was macht Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten Spaß?
Thaler: Jede Szene ist anders und somit immer wieder eine neue Herausforderung mit dem Ziel, dass ich am Ende zufrieden und stolz auf mich bin. Die Arbeit ist sehr anstrengend, zumal sich unser Pensum im Laufe der vergangenen Jahre fast verdoppelt hat, was damit zusammenhängt, dass die Produktionsabläufe deutlich straffer geworden sind. Wenn mal ein Regenschauer dazwischen kommt, laufen wir den ganzen Tag hinterher, um unser Pensum zu erreichen.
Früher haben wir nach Drehende gerne mal auf ein Bierchen oder eine Cola zusammengesessen oder sind gemeinsam essen gegangen, das geht jetzt nicht mehr. Am Feierabend sind wir alle platt und müssen uns bereits auf den kommenden Drehtag vorbereiten. Da hat sich nicht nur bei uns, sondern in der Branche viel verändert. Zeit ist schließlich Geld. Und die Budgets werden überall gekürzt.
Können Sie sich noch an Ihre allererste Szene erinnern?
Thaler: Nein, aber an mein Casting kann ich mich noch so gut erinnern, als wär‘s erst gestern gewesen. Es stand damals nur Korbinian, also Maries Bruder, der von Joseph Hannesschläger verkörpert wurde, fest. Für ihn wurde eine Schwester gesucht. Ich stand in Konkurrenz zu mehreren Frauen. Damals war ich noch gertenschlank, hatte blonde lange Locken und Bambi-Augen.
Ich komme in den Raum und sehe Joseph, der natürlich eine imposante Statur hatte. Ich dachte nur: Was? Ich soll seine Schwester sein? Das wird ja nie was. Wir sahen uns ja kein bisschen ähnlich. Daraufhin habe ich das Casting ganz locker absolviert und in der Szene, es war ein Streitgespräch, meinen Filmbruder heftig z‘sammgeschissn, wie man auf Bayerisch sagt – und bekam die Rolle.
Wie oft denken Sie an Ihre Zeit mit Joseph Hannesschläger zurück?
Thaler: Bei jedem Hofdreh denke ich an ihn. Es gibt kein Fleckchen, an dem wir nicht gemeinsam zum Dreh oder privat saßen und miteinander gequatscht haben. Er ist sehr präsent für mich. Derzeit laufen im ZDF ja die Wiederholungen von früher. Da sehe ich ihn immer, wenn ich mal reinschaue.
Gibt es einen Moment am Set, den Sie niemals vergessen werden?
Thaler: Es gab so viele tolle Momente, dass ich da keinen herauspicken kann. Es gab eine Szene mit Marie und Korbinian auf dem Hof. Da ging es darum, dass Marie und Korbinian gehadert haben, ob sie den Hof nicht doch besser hätten verkaufen sollen. Joseph alias Korbinian sagte ganz melancholisch: „Nein, der Papa hat immer gesagt, solange keiner von euch verheiratet ist …“ – und in dem Moment merke ich, wie Joseph die Tränen kommen. Kurz zuvor war seine Mama verstorben.
Meine Mama war zu diesem Zeitpunkt krank. Als Marie war für mich kein weiterer Text vorgesehen. Doch mir kamen auch die Tränen und ich sagte: „Die Mama auch.“ Die Szene ist dann so geblieben. Es war für uns beide eine intensive Situation, weil sich Rolle und Privates miteinander vermischt haben.
In all den Jahren „Rosenheim-Cops“ gab es zahlreiche Gastauftritte. Wer hat Sie am meisten überrascht?






