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Nina Hagen ist jetzt über 75 Jahre alt, wie sie lebt, ist traurig

Wenn man Nina Hagen hört, was kommt einem da in den Sinn? Eine Göttin des Punk? Eine exzentrische Frau, die einst Europa mit ihrer erhabenen Opernstimme und ihren rebellischen Schrein im Sturm eroberte. Eine Ikone, die alle Grenzen sprengte.
Doch das ist Vergangenheit. Heute mit über 75 verbirgt sich hinter dem gleißenden Bühnenlicht eine ganz andere Wahrheit. Unglaublich, oder?
Ein Genie, das einst zehntausende ihren Namen rufen ließ, verbringt nun ihren Lebensabend einsam und krank. Was hat das Leben einer Legende so traurig werden lassen?
März 1955.
Ostberlin liegt noch in den Trümmern des Nachkriegs Deutschlands, als am 11. des Monats ein Kind geboren wird, das musikalische Fundament Europas im Sturm erobern und gleichzeitig in den Grundfesten erschüttern sollte.
Katharina Nina Hagen. Die Wiege, in die sie gelegt wird, ist tief im Intellektuellen und künstlerischen Milieu der DDR verwurzelt.
Ihr Vater, der Drehbuchautor Hans Hagen und ihre Mutter, die gefeierte und bildschöne Schauspielerin Eva Maria Hagen, bilden ein glamuröses, aber hochgradig volatiles Paar. Die Ehe zerbricht früh. Die kleine Nina wächst in einem zerrissenen Umfeld auf, geprägt von der ständigen Suche nach Anerkennung und einer tiefen emotionalen Instabilität, die sie ihr Leben lang wie ein dunkler Schatten verfolgen sollte.
Das Jahr 1965 markiert den endgültigen Wendepunkt in Ninas früher Kindheit und legt den Keim für ihre lebenslange Fäde mit gesellschaftlichen Systemen.
Ihre Mutter beginnt eine Leison mit dem ikonischen Liedermacher und Regimkritiker Wolf Biermann. Für die junge Nina wird ihr charismatischer Stiefvater zu einer prägenden Bezugsperson.
Seine freiheitlichen Ideen hinterlassen bei ihr einen nachhaltigen Eindruck und beeinflussen ihre Sicht auf die Welt.
Schon in jungen Jahren rückt Nina Hagen zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Das wachsende Interesse an ihrer Person bringt eine Aufmerksamkeit mit sich, die sie über viele Jahre begleitet.
Dennoch bleibt ihr außergewöhnliches Talent unübersehbar.
Ihre markante Stimme mit einem Tonumfang von bis zu vier Oktaven macht sie früh zu einer besonderen Künstlerin.
Nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer professionellen Gesangsausbildung im Jahr 1974 beginnt ihre musikalische Laufbahn, die sie später weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt macht. Als Frontfrau der Band Automobil gelingt ihr mit dem Song Du hast den Farbfilm vergessen, ein Geniereich, der bis heute Kultstatus genießt. Doch hinter der fröhlichen Fassade des Schlagers brodelt das Chaos.
Im Jahr 1975 geschieht das, was Biographen oft als den ersten endgültigen Bruch mit der Realität beschreiben.
Gepeitscht von einem bösartigen tagelangen Fieber waren erleidet Nina in ihrer Berliner Wohnung eine schwere Psychose.
Nach eigenen Angaben kommt es in diesen Stunden zu einer physischen und mentalen Begegnung mit einer außerirdischen Entität.
Diese angebliche Entführung durch Aliens hinterlässt tiefe Spuren. Von diesem Moment an ist die unschuldige DDR Sängerin Geschichte. Sie transformiert sich in eine exzentrische fratzenhafte Kunstfigur, deren Modestil und makabre Ästhetik von intergalaktischen und dämonischen Visionen genährt werden. Das Jahr 1976 bringt den großen Bruch. Wolf Biermann wird medienwirksam aus der DDR ausgebürgert. Für Nina gibt es kein Halten mehr. Sie stellt einen Ausreiseantrag und folgt ihrer Familie in den Westen. Doch Westberlin ist ihr nicht radikal genug. Sie flieht weiter nach London, mitten hinein in das Epizentrum einer kulturellen Explosion, den Punkrock.
Die rohe zerstörerische Energie von Bands wie den Sexpistols infiziert sie sofort. Sie lernt, dass Musik nicht schön sein muss, sondern weh tun soll.
Vollgepumpt mit dieser britischen Anarchie kehrt sie 1977 nach Westdeutschland zurück und gründet die legendäre Nina Hagenband.
Zeitgleich stürzt sie sich in eine obsessive, von Drogen und Exzessen begleitete Affäre mit dem niederländischen Gitarristen Ferdinand Carmel. Das 197 erschienene Debütalbum schlägt ein wie eine Granate. Die Welt hat so etwas noch nicht gesehen. Eine Frau mit der technischen Präzision einer gelernten Opernsängerin, die im nächsten Moment wie ein sterbendes Tier ins Mikrofon kreischt, untermalt von verzerrten Punkgitarren. Sie wird über Nacht zum globalen Phänomen. Doch der absolute Höhepunkt der Provokation folgt 1979.
Es ist einer der größten Skandale der europäischen Fernsehgeschichte.
In der österreichischen Live Talkshow Club 2 diskutiert eine sichtlich aufgepeitschte Nina Hagen über Frauenrechte.
Vor laufender Kamera und vor den Augen von Millionen entsetzten Zuschauern demonstriert sie in expliziten Bewegungen verschiedene Stellungen der weiblichen Masturbation und simuliert lautstark den Orgasmus. Die konservative Gesellschaft reagiert mit blankem Entsetzen und Abscheu. Doch die Zerstörungswut der Sängerin macht auch vor den eigenen Reihen nicht Halt.
Hinter den Kulissen herrscht Terror.
Nina agiert im Studio wie eine unberechenbare Diktatorin.
Ihre extremen Stimmungsschwankungen und unkontrollierten Schreianfälle treiben die Musiker in den Wahnsinn.
Noch imselben Jahr, kurz vor der Veröffentlichung des zweiten Albums, bricht die Nina Hagenband unter der Last ihrer psychischen Tyrannei unrettbar zusammen. Die 1980er Jahre beginnen mit einem Moment scheinbarer Kausalität, der jedoch sofort in die nächste Tragödie umschlägt.
1981 bringt Nina ihre Tochter Kosma Shiva Hagen zur Welt. Der Vater ist Ferdinand Kamelk. Doch die destruktive Natur der beiden Künstler macht ein Zusammenleben unmöglich. Die Trennung erfolgt prompt.
Kamelk verfällt der Heroinsucht und stirbt 1988 an den Folgen von AIDS. Ein unheilbarer tiefer Schmerz brennt sich in Ninas Herz, den sie Zeit lebens mit exzessiver Kunst zu betäuben versucht.
Auf der Flucht vor ihren inneren Dämonen zieht es sie 1982 nach New York. Dort veröffentlicht sie ihr Solodebüt Nsex Monkrock. Das Album ist ein düsteres psychedelisches Meisterwerk voller religiöser Warnvorstellungen und apokalyptischer Klänge. In dieser New Yorkerzeit verliert sich Nina Hagen zunehmend in den Abgründen des Okkultismus.
Gerüchte über die Verbindung zu einer obskuren satanistischen Sekte verdichten sich im Jahr 1984.
Insider berichten von grauenhaften Szenen aus ihrem New Yorker Apartment.
Um sich selbst die ewige Jugend und Unsterblichkeit zu sichern, soll die Sängerin regelmäßige Voodu Rituale abgehalten haben, bei denen das Blut lebendiger Hühner geopfert wurde. Ihre Wohnung verwandelt sich in einen Tempel des Morbiden. Parallel dazu gerätt ihr Liebesleben vollens zur Fars. Auf der ständigen, fast schon manischen Suche nach Liebe klammert sie sich an immer absurdere Beziehungen.
1987 heiratet sie den gerade einmal 17-jährigen britischen Punkmusiker Iroquis.
Eine Ehe wie ein schwerer Autounfall.
Nach exakt 7 Tagen der totalen Ernüchterung folgt die Scheidung.
Zwei Jahre später 1989, der nächste Versuch einer Normalität, die es für Nina Hagen einfach nicht geben kann. Sie heiratet den französischen Schauspieler Frank Chevalier und bringt im selben Jahr ihren Sohn Otis Tis Chevalier zur Welt.
Doch der Fluch der Beziehungsunfähigkeit schlägt wieder zu. Kaum ist das Kind auf der Welt, zerbricht auch diese Ehe in Scherben. Nina Hagen bleibt das, was sie immer war. Eine radikale Einzelgängerin, gefangen im eigenen Kosmos aus Genialität und purer zerstörerischer Isolation.
Mit dem Anbruch der 1990er Jahre erreicht die Demontage der Nina Hagen eine neue beängstigende Dimension. Die Grenze zwischen exzentrischer Kunst und akutem Realitätsverlust verwischt endgültig.
Als sie 1993 ihr Album Revolution Ballroom auf den Markt bringt, ist es nicht mehr nur die Musik, die für Schlagzeilien sorgt, es ist ihr manischer Zustand. Vor laufenden Kameras und in jedem großen Interview plädiert sie mit absolutem Ernst für die Existenz von Außerirdischen.
Ihre Behauptungen regelmäßig von UFOs besucht zu werden und in direktem telepathischen Kontakt mit intergalaktischen Lebensformen zu stehen sind kein Marketing Gag mehr. Es ist der verzweifelte Schrei einer Seele, die auf der Erde keinen Halt mehr findet.
Und dieser Halt bricht auch im Privaten immer wieder krachend weg. Die Eheekronik der Nina Hagen liest sich wie ein forensischer Bericht über emotionale Selbstzerstörung.
Im Jahr 1996 wagt sie den dritten Versuch. Sie heiratet David Lyn, einen französischen Staatsbürger, der volle 15 Jahre jünger ist als sie.
Was folgt, ist ein vier Jahreslanges explosives Fegefeuer aus Eifersucht, öffentlichen Anschuldigungen und hysterischen Szenen, das im Jahr 2000 in einer extrem schmutzigen, medial ausgeschlachteten Scheidung endet. Doch anstatt inne zu halten, rennt die Godmother of Punk im Jahr 2004 sehenden Auges in das nächste Disaster.
Sie gibt dem kanadischen Nachwuchssänger Lucas Alexander das Jahrort. Er ist 22 Jahre jünger als sie. Ein Altersunterschied, der Zündstoff für die europäische Boulevardpresse liefert. Bis zur endgültigen Scheidung im Jahr 2009 wird jeder einzelne ihrer monumentalen Ehestreits, jede fliegende Kaffetasse und jede nächtliche Polizeirufaktion auf den Titelseiten der Regenbogenpresse sitziert.
Nina Hagen hat sich selbst zur unerschöpflichen Schlagzeienmaschine degradiert. Wie tief der Strudel der Paranoia sitzt, offenbart sich im Jahr 2005 während einer ihrer Tourneen. Es kommt zum ultimativen Hotelskandal, der bis heute in der Branche als legendär gilt. In einem renommierten Fünfsterne Luxushotel verfällt Nina in blinde Raserei und zerlegt die gesamte Präsidentensweite in ihre Einzelteile.
Der Grund: Ein vermeintlicher Mordanschlag der unsichtbaren Welt. Sie ist felsenfest davon überzeugt, dass die negative Fengchui Energie dieses Zimmers gezielt darauf ausgerichtet ist, ihre heilige Opernstimme zu töten. Es ist die physische Manifestation eines inneren Chaos, das keine Ruhe mehr kennt.
Nachdem sie jahrzehntelang durch den Buddhismus, den Hinduismus und diverse obskure östliche Philosophien geirrt ist, folgt 2009 die radikale Kertwende.
Die einstige Woodup Priesterin konvertiert zum Protestantismus und lässt sich offiziell taufen. Es ist der Versuch, das brennende Schiff ihrer Existenz in einen sicheren Hafen zu steuern. Doch die Rettung der Seele kommt zu spät für den Körper. Die jahrzehntelange schonlose Rebellion, die Drogen, die psychischen Extremsituationen und die permanente Rastlosigkeit fordern nun ihren unbarmherzigen Tribut. Ninas Gesundheit bricht dramatisch ein. Das Jahr 2010 steht ganz in Zeichen dieser spirituellen Flucht. Mit dem Gospelalbum Personal Jesus versucht die mittlerweile sichtlich gezeichnete Sängerin Frieden mit sich selbst und der Welt zu schließen. Es ist ein musikalisches Requiem auf ihre eigenen Liebeskatastrophen.
Doch der physische Verfall ist nicht mehr aufzuhalten.
Im Jahr 2016 kollabiert das System endgültig. Wegen einer chronischen, extrem schmerzhaften Fibromyalgie und schweren degenerativen Gelenkerkrankungen muss Nina Hagen eine Mammutoure nach der anderen absagen.
Jeder Schritt wird zur Qual, jede Bewegung zur Tortur.
Die einstige Bühnendiktatorin ist an ihren eigenen Körper gefesselt. Das dunkelste Kapitel schlägt jedoch das Jahr 2020 auf. Die Demenz bricht durch.
Die Frau, die einst ein Millionen Publikum mit Messerschafen, wenn auch exzentrischen Worten dominierte, beginnt ihr Gedächtnis zu verlieren. Es sind Szenen von herzzerreißender Tragik.
Insider berichten, dass sie an manchen Tagen aufwacht und nicht mehr weiß, wer sie ist oder wo sie sich befindet.
In diesen Momenten der totalen geistigen Umnachtung ruft sie stundenlang unter Tränen und in absoluter Verzweiflung nach Ferdinand Kamelk, dem Mann, den sie einst liebte und der bereits seit über drei Jahrzehnten tot ist. Eine Geisterbeschwörung im eigenen vernebelten Verstand. Als sie 2022 ihr bis dato letztes Album Unity veröffentlicht, ist von der einstigen Urgewalt nichts mehr übrig. Die vier Oktaven sind geschrumpft auf eine krächzende, von Schmerz und Müdigkeit schwer gezeichnete kakifarbene Stimme.
Es ist das akustische Dokument eines sterbenden Mythos.
Heute mit weit über 75 Jahren ist das grelle Licht der Scheinwerfer endgültig erloschen.
Die Frau, die einst ganz Europa das Fürchten und Staunen lehrte, fristet ihr Dasein in der absoluten Isolation.
Ihre Endstation ist eine kleine altmodische Wohnung in einem grauen Außenbezirk von Berlin. Nichts erinnert hier an den Lärm, den Prunk und die Ektase der Vergangenheit. Der Rollstuhl ist ihr ständiger Begleiter geworden.
Die atischen Schmerzen quellen sie bei jedem Wetterumschwung.
Aus dem inneren Kreis dringt die Information, dass die Stille in ihren Räumen fast schon unheimlich, ja, beängstigend ist. Es ist das totale Gegenteil zu dem ohrenbetäubenden Jubel der zehntausenden, die einst ihren Namen grüten. Ihre beiden Kinder, Kosma Shiva und Otis haben sich längst ein eigenes Leben im Ausland aufgebaut. Gefangen in ihren eigenen Verpflichtungen, verirren sie sich nur noch im Ausnahmefall nach Berlin.
So sitzt die Godmother of Punk tag für Tag allein am Fenster, eine abgegriffene, fast zerfledderte Bibel in den zittrigen Händen. Ihr Blick verliert sich im dichten grauen deutschen Herbstnebel, während vor ihrem geistigen Auge die Bilder einer Jugend vorbeiziehen, die so intensiv brannte, dass am Ende nur Asche übrig bleiben konnte.
Es ist die schmerzhafte, bittersüße Tragödie eines Genies. Am Ende des Weges bleibt selbst der größten Ikone der Popkultur nichts weiter als die nackte kalte Einsamkeit.
Was haltet ihr von dem turbulenten Lebensweg und dem einsamen Ende der Punkgottmother Nina Hagen? Teilt eure Gedanken in den Kommentaren unten mit.
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